Wir leben in einer Zeit, in der oft die Verpackung wichtiger als der Inhalt erscheint. Jeder einfache Schokoriegel wird durch Werbung zum exclusiven Geschmacksevent, der Hausmeister bekommt statt einer Lohnerhöhung exclusiv den Titel „Facilitymanager“ und die Liebe hüpft nicht mehr wie früher mit Amors zufälligem Pfeil, sondern maßgeschneidert und algorithmenbasiert über Tinder und Parship in unser Leben.
Der deutsche Heinz Günther verpackt sich im Frankreichurlaub plötzlich in Ringelshirt und Baskenmütze und wundert sich, dass er trotz Baguette unterm Arm nicht als Jean Pierre gesehen wird. Verpackung ist eben nicht alles. Lucy van Kuhl verpackt ihre aberwitzigen Betrachtungen in sanfte Klavierklänge, winzig kleine Randbeobachtungen mit dem poetischen Vergrößerungsglas versehen und die Tristesse eines Altersheims verwandelt sich durch den Mantel der Fantasie plötzlich in eine mitreißende Ü80-Party. Zarte Melancholie trifft auf krachenden Unfug, klassisches Klavier auf Boogie Woogie.